77. Jahrestagung – Digitalisierung & Gemeinwohl

25. – 27. September 2020

Unkel am Rhein

Digitalisierung revolutioniert das individuelle und gesellschaftliche Leben in ähnlichem Maße wie einst die Elektrifizierung, die Dampfmaschine oder der Buchdruck. Das Internet verändert Alltagsroutinen, soziale Prozesse und Geschäftsmodelle von Grund auf. Big Data schafft die Möglichkeit, zuvor unvorstellbare Datenmengen in kurzer Zeit zu erfassen und zu verarbeiten. Algorithmen finden Zusammenhänge in der Datenflut und nehmen uns Entscheidungen ab. Künstliche Intelligenz ersetzt menschliche Routineaufgaben. Dabei ist die digitale Welt nur scheinbar etwas völlig anderes als die materielle und analoge Welt. Beide gehören zusammen.

Die großen Versprechen und unbestreitbaren Vorteile der Digitalisierung sind aber auch mit unerwünschten Folgen verbunden: mit solchen, die vorhersehbar waren und mit gänzlich unerwarteten Auswirkungen. Und auch philosophisch stellen sich neue Fragen, etwa die, wie Digitalisierung Zukunftsvorstellungen und den Umgang mit Zukunft beeinflusst.

Das Tagungsprogramm bietet eine Einführung in die Welt der Digitalisierung, eine kritische Reflexion auf übergeordneter Ebene und eine Analyse an konkreten Beispielen: Wie gehen Experten und Laien, etwa in der Medizin, mit Algorithmen um? Was bedeutet Digitalisierung für Demokratiefähigkeit? Wie wird Digitalisierung in der Marktforschung eingesetzt? Was bedeutet es, wenn Bedürfnisse und Angebote näher zusammenrücken?

Welche Möglichkeiten bietet Digitalisierung im konkreten Forschungsalltag, etwa bei der Messung der Biodiversität in Gewässern? Welche Vorteile und welche Risiken sind mit diesen und anderen Anwendungen verbunden? Und: Was bedeutet das alles für das Gemeinwohl?

Wir befinden uns inmitten eines Technologiegetriebenen Umbruchs. Lassen Sie uns in Unkel ein besseres Verständnis der Zusammenhänge und Handlungsoptionen für diese Revolution entwickeln.

Siegfried Kreibe
Vorsitzender der Interdisziplinären Studiengesellschaft

Tagungsprogramm

Freitag, 25. September

14:00 Tagungseröffnung
Dr. Siegfried Kreibe, 1. Vorsitzender der Interdisziplinären Studiengesellschaft

14:30 Digitalisierung: eine Einführung mit Schwerpunkt auf Big Data
Dr. Stephan Schöttl, IT-Consultant, München
anschl. Kaffeepause (15:45 Uhr)

16:15 Psychologische Faktoren der Wertschätzung und der Unterschätzung von Algorithmen: Experten versus Laien
Prof. Dr. Anja Achtziger, Psychologin und Dr. Julia Felfeli, Psychologin, Zeppelin Universität Friedrichshafen
17:30 Ende der Sitzung (anschließend Mitgliederversammlung)

Samstag, 26. September

9:30 Künstliche Intelligenz – was ist das eigentlich?
Prof. i. R. Dr. rer. nat. Thomas Christaller, 6. Dan Aikido Aikikai, Informatiker, Bonn
anschl. Kaffeepause (10:45 Uhr)

11:00 Digitale und analoge Welt: siamesische Zwillinge!
Dr. Toni Lerf, Chemiker, Kirchseeon
anschl. Mittagspause (12:15 Uhr)

14:00 Nicht intendierte und nicht erwartete Nebenfolgen der digitalen Transformation
Prof. Dr. em. ETH Roland W. Scholz, Mathematiker, Psychologe und Nachhaltigkeitswissenschaftler, Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS), Potsdam
anschl. Kaffeepause (15:15 Uhr)

15:30 Die Zukunft der Digitalisierung. Eine philosophische Zeitdiagnose
Prof. Dr. Thomas Schmaus, Philosoph, Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft, Alfter

17:00 Ende der Sitzung mit anschließendem Gesellschaftsabend (ab 19 Uhr)

Sonntag, 27. September

9:30 Digitalisierung in der qualitativen Markt- und Meinungsforschung: Neue bedürfnisorientierte Methoden
Patrick Pfefferkorn, Marktforscher / Politologe, Kantar GmbH, Frankfurt
anschl. Kaffeepause (10:45 Uhr)

11:30 Zooplankton im Süßwasser: Wie KI helfen kann, die Biodiversität in Gewässern zu bestimmen
Patrick Galvan Estacio, Biologe, Ludwig-Maximilians-Universität, München

12:45 Ende der Tagung

Anmeldung und Download

Referentinnen und Referenten

Dr. Stephan Schöttl

Stephan Schöttl hat an der TU München Physik studiert und am Walther-Meißner-Institut für Tieftemperaturforschung promoviert. Nach weiteren Stationen als Physiker in Berlin und London arbeitet er seit 2006 als IT-Consultant beim europäischen IT-Dienstleistungskonzern Atos in München. Dort entwickelt er kundenspezifischer Lösungen im Umfeld von High-Performance-Computing und Big-Data-Plattformen.

Prof. Dr. Anja Achtziger

Anja Achtziger beendete ihr Psychologiestudium an der TU Darmstadt im Jahr 1997. Sie erwarb den Doktortitel in Psychologie an der Universität Konstanz. Dort war sie Postdoc und Vertretungsprofessorin. 2010 wechselte sie an die Zeppelin Universität, an der sie den Lehrstuhl für Sozial- und Wirtschaftspsychologie innehat. Sie war Gastprofessorin an der New York University Abu Dhabi 2019 – 2020.

Dr. Julia Felfeli

Julia Felfeli arbeitet als Postdoc an der Zeppelin Universität Friedrichshafen. Sie erhielt einen Abschluss in Psychologie von der Universität Tübingen (M. Sc.) und promovierte an der Zeppelin Universität im Jahr 2020 im Rahmen des durch die DFG geförderten Projektes „Psychoeconomics“. Im Jahr 2019, trat Julia dem Forschungsprojekt „Deciding about, by and together with algorithmic decision-making systems“ bei, welches von der Volkswagenstiftung finanziert wird.

Prof. i. R. Dr. rer. nat. Thomas Christaller

Nach dem Studium von Mathematik, Informatik und Physik in Marburg und Bonn promovierte Thomas Christaller an der Universität Hamburg. Bis zur Emeritierung war er Professor für Künstliche Intelligenz (KI) an der Universität Bielefeld. Von 1985 bis 1992 war er Mitherausgeber der Zeitschrift KI und von 1998 bis 2004 Mitglied im Wissenschaftsrat. Bei der GMD leitete er das Institut für autonome intelligente Systeme und war bis 2010 Leiter des Fraunhofer-Instituts für intelligente Analyse- und Informationssysteme. Er suchte in der KI vor allem den interdisziplinären Dialog. Seit 1973 widmet er sich der japanischen Kampfkunst Aikidō.

Dr. Toni Lerf

Toni Lerf studierte Chemie an der LMU in München. Nach der Promotion wurde er wissenschaftlicher Angestellter am Walther-Meißner-Institut der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in Garching. 1991 folgte ein Forschungsaufenthalt an der Universität Cambridge und die Habilitation an der Fakultät für Chemie der TU München. 2003 wurde Lerf zum apl. Prof. ernannt. In den 1990er Jahren gründete er mit Soziologen der TUM eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe, die sich bis heute mit dem Verhältnis von Technik und
Gesellschaft befasst. Diese Thematik bestimmte neben dem fachspezifischen Angebot seine Lehre bis in den Ruhestand hinein.

Prof. Dr. em. ETH Roland W. Scholz

Folgt später

Prof. Dr. Thomas Schmaus

Thomas Schmaus studierte Philosophie und Theologie in München und Wien. Seit 2013 ist er Professor für philosophische Anthropologie an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter/Bonn. Ein Schwerpunkt seiner Forschung (z. B. im Tutzinger Experten-Diskurs „Big Data im Gesundheitswesen“) liegt auf der Frage nach den Konsequenzen aus der Digitalisierung für unser Verständnis vom Menschen.

Patrick Pfefferkorn

Studierte Politikwissenschaft, Religionswissenschaft und Recht an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Seit 2011 als Marktforscher in der Privatwirtschaft tätig. 2012 ESOMAR Young Researcher of the Year. Projektleiter in der Konsumgüterforschung und Experte für technologie-getriebene qualitative Marktforschung der Kantar GmbH.

Patrick Galvan Estacio

begann nach dem Abitur das Studium im Fachbereich der allgemeinen Biologie an der LMU in München. Dabei Spezialisierung auf die aquatische Ökologie und mitwirken in einem Verbundprojekt des Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz und der LMU, zur Untersuchung der Auswirkung veränderter Nährstoffangebote auf das Wachstum von Renken in bayerischen Seen. Aktuell Student der Bioinformatik an der TU und LMU in München.

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